Wie kam es zu meiner Idee

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Seit nun mehr über 20Jahren arbeite ich schon mit Kindern und ihren Familien.

Durch meine Arbeit in einer heilpädagogischen Praxis, als Schulbegleiterin an verschiedenen Sonderschulen und die jahrelange innige Begleitung von Familien mit behinderten Kindern, habe ich unter anderem tiefe Einblicke und Methoden erfahren dürfen, wie man mit behinderten Kindern arbeitet und was das Familienleben erleichtert. Besonders die Methode der Unterstützten Kommunikation liegt mir sehr am Herzen. Auch das Lernen mit TEACCH, PECS, ABA und die Kieler Lautgebärden ( Finger-Alphabet) sind mir sehr vertraut.

Ich liebe die Arbeit mit Menschen und ganz besonders mit denen, die nur wenige verstehen können bzw. wollen. In ihre Welt einzutauchen und sie in Einklang mit unserer Realität zu bringen empfinde ich ist jedes Mal aufs Neue als eine Herausforderung, die unglaublich spannend und zugleich wunderschön ist.

Nicht was ihnen fehlt, oder was die Außenwelt glaubt zu meinen was ihnen fehlt, sondern das Fehlende was in ihnen ist, aufzudecken. Denn jede Seele hat ihren Sinn und ihre Kraft. Jede Seele ist einzigartig und wichtig!

 

Hierzu ein kleines Beispiel über die Methodik-Motivation:

Ich habe 6 1/2 Jahre ein Mädchen mit Rettsyndrom an der Martinsschule begleitet. Ihre Hände hatte sie meist zu einer Faust geballt und ich habe mir Methodiken einfallen lassen, damit sie ihre „Fausthände“ öffnet und nach Spielsachen, Materialien etc. greift. Ich habe mit TEACCH, Massagen, Gesang, Tanz und Kunst, sowie verschiedenen Gegenständen gearbeitet, diese mit Glitzer beklebt, mit Farben bemalt oder mit unterschiedlicher Musik im Hintergrund gearbeitet, damit sie von alleine und ohne meine Handführung danach greift. Hierbei gab es kleinere Fortschritte, doch an einem Dienstagnachmittag hatte ich einen Kinderriegel dabei und als gerade ein anderer Schüler aus dem Rollstuhl zu kippen drohte, rannte ich zu dem Schüler, legte aber noch meinen Kinderriegel in der Mitte des Gruppentisches ab. Als ich mich zu meinem Mädchen mit Rettsyndrom umdrehte, lag sie mit ihrem ganzen Körper auf dem Gruppentisch, holte mit dem  Zweifingergriff ( Pinzettengriff) ganz elegant meinen Kinderriegel, führte diesen anschließend gezielt zu ihrem Mund und verspeiste ihn genüsslich. Danach wusste ich genau wie ich sie zum alleinigen öffnen ihrer „Fausthände“ brachte. Über ihr Interesse am Essen brachte ich sie dazu einige Förderziele umzusetzen. Natürlich war dies nur die Startphase, aber jetzt hatte ich etwas gefunden, an dem sie Interesse zeigte und endlich motiviert war, aus ihrer Starre herauszukommen – etwas, das sie antrieb. Ich konnte mit ihr z. B. über UK in Kombination mit Essen arbeiten bzw. starten.

Im sechsten Jahr hat sie dann per Augenscanning und Handimpulse allein einen Computer führen können, der für sie sprach. Ehrlich gesagt ein langer, zäher Weg, der sich aber gelohnt hat! Das Mädchen mit Rettsyndrom inclusive ihrer Familie hatten viel durchmachen müssen, um dort hinzukommen. Sie wurde endlich gehört. Angefangen habe ich mit zwei einzelnen Karten und ihrer Motivation: dem Essen 🙂 !!! 

Diese und viele andere Geschichten haben mir gezeigt, dass es insbesondere bei behinderten Kinder / Menschen darauf ankommt auf ihre Interessen, ihre Liebe und ihre Motivation einzugehen. Dies kann man danach nutzen, um es auf den Alltag zu übertragen. Ich durfte miterleben, wie sie durch ihre neugewonnene Kommunikation glücklicher und selbstständiger wurden, was sie wiederum innerlich größer werden ließ. Sie hatten nun die Macht etwas zu bewirken.

Wie man hier auf meiner Homepage lesen kann, liegt mir sehr viel daran betroffenen Kindern, Jugendlichen sowie ihren Familien zu helfen und besonders im Bereich der Unterstützten Kommunikation Erleichterung zu ermöglichen, sowie sie in der Gesamtsituation zu unterstützen. Nachdem sich jeder zunächst so annimmt wie er ist, wird danach analysiert, was jeder einzelne im System Familie braucht bzw. sich wünscht und wozu jeder bereit ist.

Zu viele Menschen sind behinderten Menschen gegenüber sehr unsicher. Sie wissen nicht, wie man mit ihnen umgehen soll und wie man sich mit ihnen verständigt.

Familien mit behinderten Kindern sind oft zu belastet und das überträgt sich wiederum auf das Kind. Hier brauchen Familien, sowie das betroffene Kind Hilfe.

Deshalb ist es notwendig so früh wie möglich mit UK, Aufklärung, TEACCH, Annahme etc. zu beginnen. Man sollte nach Lösungen suchen, die Erleichterung für das betroffene Kind, der Familie, Erzieher und Lehrer schaffen. Dies führt wiederum zu Halt und Lockerheit und somit gelangen wir von der Anspannung in die Entspannung. Und erst, wenn wir entspannt und in unserem Herzen sind, können wir unsere Ziele erreichen und erkennen klar den Weg.

Umso früher man an der Basis arbeitet, umso besser kann man viele sekundäre Folgeprobleme vermeiden.


Hand in Hand zur Selbsthilfe